Deutscher Schiffbau: Wachstumsmärkte nutzen, Wettbewerbsfähigkeit sichern

Donnerstag, 20. August 2026 - 17:30

Hamburg, 20. August 2026 – Die deutsche Schiffbau- und Meerestechnikindustrie blickt auf ein außergewöhnlich dynamisches Marktumfeld.

Der globale Schiffbaumarkt verzeichnet den zweithöchsten Auftragseingang seiner Geschichte und generiert für die Zulieferindustrie erhebliche Wachstumschancen. Für Deutsche Schiffbauer ist insbesondere die starke Nachfrage nach hochwertigen Kreuzfahrtschiffen, Superyachten, Marineschiffen und -booten und anderen Spezialschiffen ausschlaggebend. Zudem kommt der Bau großer Offshore-Konverterplattformen in Deutschland. 

Gleichzeitig verschärft sich der internationale Wettbewerb – insbesondere durch den massiven Kapazitätsausbau Chinas. 

Dies machte der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) auf seiner heutigen Jahrespressekonferenz in Hamburg deutlich.

„Unsere Unternehmen sind technologisch hervorragend aufgestellt und in attraktiven Zukunftsmärkten aktiv. Jetzt kommt es darauf an, diese Chancen in Investitionen, Wertschöpfung und langfristige Beschäftigung in Deutschland zu übersetzen“, sagte VSM-Hauptgeschäftsführer Dr. Reinhard Lüken.

Weltmarkt wächst – China baut Dominanz aus

Die weltweite Nachfrage nach neuen Schiffen bleibt auf Rekordniveau. Seit 2020 haben sich die Auftragseingänge mehr als vervierfacht, das laufende Jahr steuert auf den zweithöchsten Wert der Geschichte zu. Bereits das sechste Jahr in Folge werden weltweit mehr Schiffe bestellt als ausgeliefert.

Gleichzeitig wächst die Dominanz Chinas. Bis 2027 wachsen die Ablieferungen weltweit um 17 Millionen CGT (+38% seit 2025). Davon entfallen rund 15 Millionen CGT auf chinesische Werften. Diese Entwicklung ist das Ergebnis einer langfristigen Industriepolitik Chinas und verändert den Wettbewerb grundlegend. „Es geht nicht mehr um Marktanteile, sondern um industrielle Fähigkeiten und strategische Souveränität“, betont Lüken.

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung bei den Neubauaufträgen deutscher Reeder: 2025 wurden rund 98 Prozent der kommerziellen Tonnage in China bestellt. Gleichzeitig bleib China ein wichtiger Absatzmarkt für die deutschen Zulieferer. 

Deutsche Werften stark in Zukunftsmärkten

Während der Massenmarkt von China dominiert wird, behauptet Deutschland seine Spitzenposition in anspruchsvollen Hightech-Segmenten.

Im Kreuzfahrtschiffbau erreichen die weltweiten Investitionen neue Rekordwerte. 2025 wurden neue Kreuzfahrtschiffe für insgesamt 31,8 Milliarden $ bestellt, fast doppelt so viel wie vor Corona. Im ersten Halbjahr 2026 kamen 11,4 Milliarden $ Bestellvolumen hinzu. 97 Prozent der weltweit fahrenden Kreuzfahrtflotte stammen aus europäischen Werften. 2026 entfielen 93 Prozent der in Europa bestellten kommerziellen Tonnage auf Kreuzfahrtschiffe. Auch im Markt für Superyachten über 80 Meter Länge sind deutsche Hersteller mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent führend. In diesem Größensegment wuchs die Nachfrage besonders stark (+46%) und das globale Auftragsbuch verzeichnete den höchsten Aufwuchs seiner Geschichte. 

Mit dem Zuschlag für die Offshore-Konverterplattform im Juni wurde zudem ein wichtiger industriepolitischer Durchbruch erzielt. Die hohen Bedarfe im Marineschiffbau angesichts der wachsenden geopolitischen Spannungen führen ebenfalls zu historisch hohen Auftragsbüchern und Auslastung bis in die 2040er Jahre hinein. 

Die starke Nachfrage wird seitens der Industrie durch Investitionen und Aufbau von Arbeitsplätzen beantwortet, aber auch der Staat muss seine Hausaufgaben machen. 

Industriepolitik muss Wettbewerbsfähigkeit stärken

Der VSM begrüßt die Ergebnisse der Nationalen Maritimen Konferenz sowie die maritime Industriestrategie der Bundesregierung. Entscheidend ist nun eine konsequente Umsetzung.

Aus Sicht der Branche stehen insbesondere fünf Handlungsfelder im Mittelpunkt:

wettbewerbsfähige Finanzierungsinstrumente für den Schiffbau,

verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen,

eine stärkere industrielle Wertschöpfung beim Offshore-Windenergieausbau,

schnellere Verfahren für den Ausbau der Marinekapazitäten sowie

eine konsequentere Unterstützung der Binnenschifffahrt als klimafreundlichen Verkehrsträger.

Wachstum braucht verlässliche Rahmenbedingungen

Der VSM zieht insgesamt ein positives Fazit: Die deutsche Schiffbauindustrie verfügt über exzellente Technologien, innovative Unternehmen und attraktive Absatzmärkte. Entscheidend ist nun, die bestehenden Marktchancen durch wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen in zusätzliche Investitionen, Arbeitsplätze und industrielle Wertschöpfung in Deutschland zu überführen.

 

Rückfragen an:
Henning Beermann
Verband für Schiffbau und Meerestechnik e. V.
Steinhöft 11 (Slomanhaus)
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(040) 28 01 52-36
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