10.000 Schiffe bis 2035 aus Europa!

Freitag, 12. April 2024 - 8:45

Damit Europa in der maritimen Domäne sicher und stark bleibt, zügig klimaneutral wird und seine maritim-industriellen Fähigkeiten erhält und entwickelt.

Hamburg 12.04.2024: Gemeinsam mit unseren europäischen Partnern haben wir bei SEA Europe einen ambitionierten Plan für eine 180-Grade-Wende in der europäischen Schiffbaupolitik vorgelegt.

„Eine maritime Industriestrategie für Europa ist überfällig. Wir wollen die riesigen Bedarfe in Europa decken und sind bereit, dafür viel zu investieren. Maritime Souveränität ist existenziell für Europa. Sie klappt aber nur, wenn man auch die dafür nötige Technik beherrscht, stetig weiterentwickelt und produzieren kann.“ so VSM-Hauptgeschäftsführer Dr. Reinhard Lüken.

Zum Hintergrund:

1998 beschloss die EU ein Verbot von Subventionen im Schiffbau, das jedoch nur im Binnenmarkt umgesetzt werden konnte. Nach jahrelangen vergeblichen Bemühungen, internationale Handelsregeln für den Schiffbau zu etablieren, wollte die EU nun mit gutem Beispiel vorangehen und war sich sicher, andere würde bald folgen. Damals produzierte die europäische Schiffbauindustrie noch ca. fünfmal so viel Schiffstonnage wie China. Innerhalb von zwölf Jahren und unter Einsatz von mehr als 200 Mrd. € staatlicher Mittel wuchs die produzierte Tonnage in China von 1,1, Mio. CGT auf über 20 Mio. CGT. Die Verhältnisse waren nun umgedreht: China verkaufte fünfmal mehr als Europa. Beseelt von der Annahme, man müsse die Marktkräfte gewähren lassen, ergriff Europa keinerlei Gegenmaßnahmen, um den bedrohlichen Trend zu stoppen.

Inzwischen sind weitere 15 Jahre vergangen. Selbst eine Dekade der Schifffahrtskrise wegen massiver Überkapazitäten wurde eher dem Nachfrageverhalten als dem verzerrten Angebot angelastet. Heute entstehen in China rund 10-mal so viele Schiffe wie in Europa. Doch inzwischen erleben viele andere Branchen genau dasselbe!

Etwa einem Drittel der Schiffbauindustrie Europas ist es dank hoher Innovationskraft gelungen, in High-end-Nischen mit hohen technischen Eintrittsbarrieren zu überleben. Doch Skaleneffekte sind im Schiffbau wichtig! Sie sind nicht nur nötig, um Kosten zu optimieren, sondern auch, um kritische Masse für eine florierende Forschungs- und Bildungslandschaft zu gewährleisten und eine vollständige, hochspezialisierte Wertschöpfungskette abzusichern.

Ohne signifikantes Wachstum ist der heutige Zustand der Schiffbauindustrie in Europa nicht von Dauer. Darum hat der europäische Schiffbauverband jetzt eine ambitionierte Zielmarke definiert: 10.000 Schiffe bis 2035. Die Zahl bezieht sich auf das gesamte Spektrum von See- und Binnenschiffen, Marineeinheiten und Großyachten und schließt auch für Klimaneutralität umgebaute und nachgerüstete Schiffe ein.

Um das Ziel zu erreichen, will die Industrie 10 Mrd. € investieren. Allerdings wird dies nur gelingen, wenn die EU diese Ziele durch adäquate Rahmenbedingungen ermöglicht.

Lesen Sie hier die Details: https://vsm.de/de/presseinformation/9261