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Schiffssicherheit

Die deutsche Schiffbauindustrie unterstützt intensiv branchengerechte Schiffssicherheitsstandards.

Die deutsche Schiffbauindustrie Aktuell steht hierbei aufgrund spektakulärer Havarien insbesondere die Sicherheit von Fahrgastschiffen im Vordergrund. Der letzte offene Punkt der „Costa Concordia“ Aufarbeitung bleibt die Sicherstellung der Verfügbarkeit essenzieller Systeme im Fall von langen Seitenbeschädigungen, die bei dieser Havarie zu einem zeitweisen Ausfall der Energieversorgung während der Evakuierung geführt hatten.

Für innovative Schiffbauer ist in diesem Zusammenhang entscheidend, dass keine detaillierten Lösungswege, wie z.B. Doppelhüllen oder strikte Ausrüstungsanforderungen, vorgeschrieben werden, sondern funktionale, zielorientierte Vorschriften Flexibilität ermöglichen. Das Ziel ist die jederzeitige Verfügbarkeit aller notwendigen Systeme, was sowohl durch baulichen Schutz als auch durch Redundanz mit Hilfe einer intelligenten, dezentralisierten Energieversorgung erreicht werden kann.

Einen vielversprechenden Ansatz hierfür bieten Brennstoffzellensysteme, die modular aufgebaut sind und für die Bordstromversorgung über das gesamte Schiff verteilt eingesetzt werden können. Ein besonderer Vorteil besteht zudem darin, dass verschiedenste Primärtreibstoffe eingesetzt werden können. z.B. auch Methanol, das neben niedrigen Emissionswerten auch die einfachere Lagerung eines flüssigen Treibstoffes bietet.

Auch Brandschutz und die Gestaltung von Rettungsmitteln sind weiterhin zentrale Elemente der Schiffssicherheit. Beide Themenbereiche werden intensiv im Sub-Committee „Ship Systems and Equipment“ (SSE) behandelt und eine umfassende Modernisierung der SOLAS-Konvention und der zugehörigen Codes in Angriff genommen.

Bei RoRo-Schiffen sind vermehrt Schäden und schwerwiegende Havarien durch Feuer auf Fahrzeugdecks zu beklagen, die teilweise im Zusammenhang mit der zunehmenden Elektromobilität stehen, aber ihre Ursache auch in der mangelhaften Anpassung der Brandschutzvorschriften an das Größenwachstum der Fährschiffe haben. Bei SSE 5 war eine Initiative des europäischen Schiffbaus erfolgreich, Sprinkleranlagen durch zielorientierte Anforderungen für alle Schiffsgrößen effizienter zu gestalten.

Auch beim Design und den Ausrüstungsanforderungen für Rettungsboote und –inseln gilt es, das Größenwachstum von Kreuzfahrtschiffen zu berücksichtigen und zugleich die Rettungsmittel fit für die Nutzung in abgelegenen und klimatisch anspruchsvollen Regionen zu machen. Insbesondere Expeditionskreuzfahrten in die Arktis und Antarktis sind derzeit ein boomender Markt, der neue Herausforderungen bei der Evakuierung setzt.

Niedrige Temperaturen und längere Zeiträume bis zur Rettung erschweren diese Aufgabe für polare Rettungsmittel. Der Schiffbau plädiert hierbei für spezielle, polartaugliche Rettungsboote und mahnt eine weitere Ausgestaltung und Klärung des „Polar Codes“ durch Guidelines an.

Auch am unteren Ende der Größenskala sind Fortschritte bei der Anpassung der Vorschriften an die besonderen Bedingungen spezieller Seegebiete zu vermelden, wie z.B. im Inselverkehr an europäischen Küsten. Der „Small Craft Codes“ der Europäischen Union wird zukünftig zielorientierte Anforderungen für Wasserfahrzeuge bis zu 24 m Länge setzen. Diese werden nicht mehr von der revidierten EU-Fahrgastschiffsrichtlinie erfasst und unterliegen damit der Gesetzgebung der EU-Mitgliedsstaaten. Der neue Code kann helfen, das Sicherheitsniveau europaweit einheitlich zu gestalten und die nötige Flexibilität bei der Gestaltung sehr kleiner Wasserfahrzeuge zu ermöglichen.